Ab dem 2. August 2026 wird es ernst: Die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des bereits seit August 2024 geltenden EU AI Act werden anwendbar und verlangen, dass bestimmte KI-generierte oder KI-manipulierte Inhalte transparent gekennzeichnet werden. Gleichzeitig hat Meta seine eigenen Regeln für Facebook- und Instagram-Anzeigen verschärft.
In diesem Beitrag bringen wir beides zusammen: die gesetzliche Pflicht aus dem AI Act und die praktische Umsetzung im Meta Werbeanzeigenmanager. Plus: die Besonderheiten für Deutschland, Österreich und die Schweiz.
Wichtiger Hinweis vorab: Dieser Beitrag ist eine Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Quellen (Stand: Ende Juli 2026) und ersetzt keine Rechtsberatung.
Was ändert sich am 2. August 2026 konkret?
Am 2. August 2026 werden die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der Verordnung (EU) 2024/1689 anwendbar. Anders als oft verbreitet, gibt es dabei keine pauschale Pflicht, jeden KI-Text zu kennzeichnen -- der AI Act unterscheidet vielmehr klar zwischen verschiedenen Fallgruppen:
a) Deepfakes (Bild, Video, Audio)
Ein „Deepfake" ist im Gesetz relativ weit definiert: Gemeint sind KI-generierte oder KI-manipulierte Bild-, Ton- oder Videoinhalte, die bestehenden oder plausibel existierenden Personen, Objekten, Orten, Einrichtungen oder Ereignissen ähneln und einer Person fälschlicherweise authentisch oder wahr erscheinen könnten.
Ein KI-generierter Hintergrund allein macht ein Werbemittel jedoch nicht automatisch zum Deepfake. Relevant wird es insbesondere dann, wenn das Creative eine vermeintlich reale Person, Situation, Umgebung oder Produkteigenschaft zeigt.
Beispiel: Eine Sandale vor einem künstlich erzeugten neutralen Studiohintergrund ist nicht automatisch ein Deepfake. Anders kann es aussehen, wenn das Motiv suggeriert, eine reale Kundin trage die Sandale oder die Aufnahme sei tatsächlich an einem bestimmten Strand entstanden.
Die Zustimmung einer dargestellten Person beseitigt diese Transparenzpflicht nicht.
b) KI-Chatbots und Sprachassistenten
Kommuniziert ein Kunde direkt mit einer KI, muss ab Beginn der ersten Interaktion erkennbar sein, dass es sich um ein KI-System handelt, sofern dies nicht ohnehin offensichtlich ist.
c) KI-generierte Texte zu Themen von öffentlichem Interesse
Klassische Werbetexte und Produktbeschreibungen fallen in der Regel nicht unter diese besondere Text-Kennzeichnungspflicht. Anders kann es sein bei Texten über Politik, öffentliche Gesundheit, Verbraucher- oder Finanzthemen -- und auch nur, wenn kein Mensch den Text redaktionell geprüft hat.
Was das konkret für Werbeanzeigen heisst
Hier ist vor allem Punkt a) relevant: fotorealistische KI-Bilder oder KI-Videos, die vermeintlich reale Personen oder Situationen zeigen, sowie synthetische Stimmen, die wie authentische Aufnahmen wirken.
Vorsichtige Praxisregel: Zeigt ein Creative eine fotorealistische KI-Person, eine realistisch wirkende synthetische Stimme oder eine vermeintlich authentische Szene, sollte geprüft werden, ob der Inhalt fälschlich für eine echte Aufnahme gehalten werden könnte. In Grenzfällen ist eine freiwillige Kennzeichnung meist die risikoärmere Lösung.
Wie muss gekennzeichnet werden?
Das Gesetz schreibt kein einheitliches Format vor. Die Offenlegung muss jedoch klar, eindeutig, unterscheidbar und für die betroffenen Personen wahrnehmbar sein. Bei Deepfakes muss die Offenlegung spätestens beim ersten Sicht- oder Hörkontakt erkennbar sein.
Die EU-Kommission stellt drei freiwillig nutzbare Transparenz-Icons zur Verfügung. Sie sind Teil des freiwilligen EU-Verhaltenskodex und kein gesetzlich vorgeschriebenes Pflichtformat. (Quelle: Europäische Kommission)
Was macht Meta konkret im Ads Manager?
Meta hat unabhängig vom AI Act eigene Regeln und Kennzeichnungssysteme für KI-generierte oder wesentlich KI-bearbeitete Werbeanzeigen eingeführt.
Wie die Kennzeichnung aussieht
Meta zeigt AI-generierte oder KI-signifikant bearbeitete Anzeigen mit einem "AI info"-Label im Bereich "About this ad" / "Informationen zu dieser Anzeige", erreichbar über das Drei-Punkte-Menü.
Wichtig: Ein ausschliesslich über das Drei-Punkte-Menü erreichbares Meta-Label sollte nicht automatisch als ausreichende Erfüllung der gesetzlichen Deepfake-Offenlegung betrachtet werden. Bei einem kennzeichnungspflichtigen Deepfake sollte zusätzlich ein sichtbarer beziehungsweise hörbarer Hinweis direkt im Creative vorgesehen werden.
Was das Label automatisch auslöst
Nutzt du generative KI-Funktionen von Meta (Background Generation, Image Generation, Add Animation), kann Meta die Anzeige automatisch kennzeichnen. Reine Standardbearbeitungen (Zuschneiden, Helligkeitsanpassungen) gelten grundsätzlich nicht als generative Erzeugung.
Was bei externen KI-Tools passiert
Wird eine Anzeige mit Tools wie Photoshop Generative Fill, DALL·E, Midjourney erstellt, versucht Meta den KI-Einsatz anhand technischer Signale zu erkennen (etwa C2PA-basierte Content Credentials). Auf eine vollständige oder fehlerfreie Erkennung sollte sich ein Werbetreibender jedoch nicht verlassen.
Was ist eine C2PA-Prüfung überhaupt?
C2PA steht für „Coalition for Content Provenance and Authenticity". Der Standard ermöglicht digitale Herkunfts- und Bearbeitungsnachweise für Bilder, Videos und andere Mediendateien. C2PA bestätigt nicht, dass eine dargestellte Szene „wahr" ist -- es dokumentiert lediglich, woher eine Datei stammt.
Fehlen Content Credentials, bedeutet das nicht automatisch, dass keine KI eingesetzt wurde -- Metadaten können beim Export, durch Screenshots oder Re-Encoding verloren gehen.
Selbst prüfen: kostenlos über Adobe Content Credentials Verify -- Datei per Drag & Drop reinziehen.
Manuelle Angabe im Anzeigenmanager
Meta stellt je nach Konto und Region auch manuelle Offenlegungsoptionen bereit. Wichtig: Eine manuelle Angabe verhindert nicht zwingend, dass Meta eine Anzeige zusätzlich automatisch kennzeichnet.
Was passiert, wenn du es nicht kennzeichnest?
Fehlende, unzutreffende oder widersprüchliche Angaben können dazu führen, dass Meta eine Anzeige zusätzlich prüft, automatisch kennzeichnet oder einschränkt beziehungsweise ablehnt.
Sonderfall politische und gesellschaftspolitische Werbung
Meta erlaubt seit Anfang Oktober 2025 keine politischen, Wahl- oder Social-Issue-Anzeigen mehr, die an Personen in der EU ausgeliefert werden.
Bussgelder: Was droht bei Verstössen?
Verstösse gegen die Transparenzpflichten können mit Bussgeldern von bis zu 15 Millionen Euro oder -- bei Unternehmen -- bis zu 3 % des weltweiten Gesamtjahresumsatzes geahndet werden. Massgeblich ist grundsätzlich der höhere Betrag.
In der Praxis dürfte für die meisten Werbetreibenden ein anderes Risiko realistischer sein: die wettbewerbsrechtliche Abmahnung, insbesondere wenn ein KI-generierter Inhalt Verbraucher über reale Personen, Erfahrungen oder Produkteigenschaften täuscht.
Ein verwandtes Risiko ist „AI Washing" -- mit einem angeblichen KI-Einsatz zu werben, obwohl kaum relevante KI zum Einsatz kommt.
Rechtliche Verantwortung bleibt bei dir
Für die Deepfake-Offenlegung ist grundsätzlich der Betreiber ("Deployer") verantwortlich -- die Person oder Organisation, die ein KI-System beruflich einsetzt. Bei Werbekampagnen kann diese Rolle beim werbenden Unternehmen, bei einer Agentur oder bei mehreren Organisationen liegen -- Verantwortlichkeiten sollten deshalb vertraglich klar geregelt werden.
Heisst konkret: Erkennt Meta ein kennzeichnungspflichtiges Creative nicht, entfällt die gesetzliche Verantwortung dadurch nicht. Metas automatisches Labeling ist keine Haftungsübernahme.
Bereits laufende Kampagnen können nachträglich geflaggt werden
Da Meta Anzeigen automatisiert erneut bewerten kann, ist nicht ausgeschlossen, dass ein bereits laufendes Creative nachträglich geprüft wird.
Audio-Deepfakes werden komplett übersehen
Auch Audioinhalte -- Voice-Clones, vermeintlich echte Kundenstimmen -- können unter die Deepfake-Definition fallen. Wird in der Praxis fast nie mitgedacht, weil "Deepfake" gedanklich sofort mit Video gleichgesetzt wird.
Deutschland, Österreich, Schweiz im Vergleich
🇩🇪 Deutschland: Der AI Act gilt direkt. Zuständig ist grundsätzlich die Bundesnetzagentur.
🇦🇹 Österreich: Der AI Act gilt ebenfalls direkt.
🇨🇭 Schweiz: Aktuell keine vergleichbare allgemeine KI-Kennzeichnungspflicht. Wird KI-generierter Content jedoch in der EU ausgespielt, kann der EU AI Act trotzdem anwendbar sein.
Praxisbeispiele
🎙️ KI-Stimme für ein Kundentestimonial: ✅ Kennzeichnen, wenn die Aussage wie ein echtes Testimonial wirkt
👤 Fotorealistisches KI-Bild einer erfundenen Person: ✅ Kennzeichnen, wenn Person oder Situation authentisch wirken soll
🖼️ KI-generierter Hintergrund: ➡️ Situationsabhängig
✍️ Werbetext mit ChatGPT erstellt, von Mensch geprüft: ❎ In der Regel nicht kennzeichnen
🎥 KI-Avatar im Werbevideo, wirkt wie echte Person: ✅ Kennzeichnen
Fazit
Ab dem 2. August 2026 muss nicht jeder KI-generierte Inhalt automatisch gekennzeichnet werden. Entscheidend ist vor allem, ob Bilder, Videos oder Stimmen so realistisch wirken, dass sie fälschlich für authentische Aufnahmen gehalten werden könnten.
Metas automatische Kennzeichnung kann dabei unterstützen, ersetzt aber nicht die eigene rechtliche Prüfung.
Für Unternehmen und Agenturen bedeutet das: KI-Einsatz dokumentieren, externe Creatives prüfen, Verantwortlichkeiten klar regeln und realistisch wirkende KI-Inhalte lieber einmal zu viel als zu wenig kennzeichnen.


